Als ich den Auftrag bekam, die Oberfläche des Pluto zu malen, gab mir eine Feststellung in der Beschreibung der damals verfügbaren Daten besonders zu denken:
Die Oberfläche besteht aufgrund spektroskopischer Analysen aus Methan, das dort draussen bei Temperaturen nahe am absoluten Nullpunkt nur in fester Form vorkommen konnte. Dieses Methaneis streute aber wesentlich weniger Licht zurück als bei der auf anderem Wege ermittelten Grösse des Planeten zu erwarten war
- heisst: Albedo und Spektralanalyse widersprachen sich.
Damals gab es überhaupt keine Erklärung für diesen Widerspruch. Bis heute wird die Behauptung verbreitet, es müsse sich um dunkles Gestein in der Eisfläche handeln, das Licht absorbiere.

Ich stellte mir damals vor, dass Pluto wie alle anderen Planeten im Laufe seines Daseins von vielen Meteoriten getroffen worden sein musste. Und weil seine Oberfläche aus Eis bestand, sah ich sofort, dass solche Treffer dann andere Spuren hinterlassen haben mussten als Treffer unseres Mondes. Nicht Krater waren zu erwarten!
Trifft nämlich ein Meteorit auf Methaneis, wird dieses durch die Energie des Treffers sofort zu Gas, das aber in der Kälte des Pluto im Fluge wieder erstarrt. Der Meteorit verliert seine Energie im Eis sehr langsam, schafft also keine flachen Krater, wie einer, der den Mond trifft, sondern tiefe Löcher, die sehr schwarz sind und selbstverständlich keine Spektrallinien erzeugen können.
Natürlich faszinierte mich diese Vorstellung, weil sie die Gelegenheit bot, ein wirklich schönes Bild zu malen und nicht der Vorgabe des Auftraggebers folgend eine Art Grönland bei Nacht: unten weiss, oben schwarz mit weissen Punkten.

Heute brauche ich mit niemand mehr zu streiten, wie zutreffend meine Vorstellung war, weil 1996 die Raumsonde Galileo Aufnahmen vom ebenfalls vereisten Jupitermond Ganymed funkte, die das zeigen, was ich malte. Unten zeige ich die Veröffentlichung in "Physik in unserer Zeit". Wer bei dem gut erkennbaren Eiskragen um das Loch die feinen Bögen vermisst, die ich malte, bedenke, dass Ganymed der Gezeitenreibung des Jupiter ausgesetzt ist, die von Filigran nichts übrig lässt. Diese Reibung wird wohl auch die Furchen geschaffen haben, die auf Ganymed zu finden sind.
Schliesslich erklärt meine Vorstellung auch, warum die auf neueren Aufnahmen des Pluto erkennbaren dunklen Flecken in der Mitte am dunkelsten sind - sind es Löcher, schaut man dort nämlich senkrecht hinein.